Bildungsbereiche

Bildung und Erziehung im Waldkindergarten

Bildung im Waldkindergarten heißt forschendes Lernen in Sinnzusammenhängen. Naturraum-Pädagogik lebt von „unfertigen Situationen“, sucht die Balance zwischen Wagnis und Sicherheit, zwischen loslassen und festhalten. 

Bäume zu erklettern zählt z.B. zu den natürlichen Herausforderungen. Verantwortbare Grenzerfahrungen stärken das Selbstbewusstsein des Kindes und geben ihm die Chance, seine Möglichkeiten realistisch einzuschätzen. In der Natur finden die Kinder Bewegungsanlässe, die sie auf die Probe stellen und sie mit täglich neuen Erfahrungen konfrontieren. Durch jahreszeitlich bedingte Veränderungen hebt sich mehrmals im Jahreslauf der Vorhang der Naturbühne und verändert die ganze Szenerie. Das Kind erlebt Wandlung/Umwandlung, und diese Prozesse des Werdens und Vergehens machen in höchstem Maße neugierig.

Dazu kommen die Einflüsse der spontanen Impulsgeber, die Kinder in dieser Vielfalt nur in der Natur erleben können. So inspiriert plötzlich einsetzender Schneefall eine Waldkindergartengruppe zur „Umformung“ des bespielten Baumstammes in einen Eisbrecher. Interpretationen dieser Art fördern Fantasie und Kommunikation.
Durch das Erleben der Pflanzen und Tiere in ihren Lebensräumen entsteht Wertschätzung gegenüber der Lebensgemeinschaft Wald und des Lebens überhaupt. Die Achtung vor dem Leben und das Begreifen des eigenen Ichs als Teil des Lebens wecken Gefühle der Liebe, Vertrautheit und Verantwortung im Kind.
Zudem fördert die Bewegung in frischer Luft bei jeder Witterung die Gesundheit des Kindes und stärkt sein Immunsystem.

Spielen ist Lernen und macht Spaß

Spiel ist keine Spielerei. Das Spiel ist von entscheidender Bedeutung für die Persönlichkeitsentwicklung und die Entwicklung der notwendigen schulischen sowie beruflichen und sozialen Fähigkeiten. Alles was Kinder sehen und hören, fühlen, in Händen halten und begreifen wird schnell zum Spiel. Es ist die „handelnde Auseinandersetzung“ der Kinder mit ihrer gesamten Umwelt. Kinder wollen sie entdecken, verstehen, sich ihren Gesetzmäßigkeiten nähern und sich mit unbekannten Dingen vertraut machen.
Spielforscher haben herausgefunden, dass Kinder, die viel und intensiv spielen, in allen vier Kompetenzbereichen, dem emotionalen, dem sozialen, dem motorischen und dem kognitiven Bereich, weiter entwickelt sind als Kinder, die wenig spielen. Deswegen nehmen das Freispiel und täglich stattfindende offene Angebote einen großen Raum bei uns ein. Die Kinder werden so zum eigenen Ausprobieren und Entdecken angeregt, wie zum Beispiel in unserer Werkecke, in der die Kinder jederzeit nach Herzenslust mit den verschiedensten Materialien umgehen können.

Angebote

Unsere zusätzlichen, gezielten Angebote speisen sich aus drei verschiedenen  pädagogischen Ansätzen, die alle gleich wichtig sind.

1) Der funktionsorientierte Ansatz


Hierbei geht es um das Training bestimmter Fähigkeiten und Fertigkeiten (z.B. Förderung der Feinmotorik durch Schnitzen, Malen, Seile knoten oder Förderung des Umgangs mit Mengen, Zahlen und Formen durch das tägliche Zählen im Morgenkreis und an unseren Haltepunkten).

2) Der situationsorientierte Ansatz


Hier werden Situationen zum Anlass für Angebote genommen. Beispielsweise hat das mitunter aggressive Verhalten der Kinder dazu geführt, dass wir eine „Rangel-Arena“ eingerichtet haben. Hier haben die Kinder die Möglichkeit im Zweierkampf gegeneinander anzutreten und ihre Kräfte zu messen. Dazu erarbeiten wir nach Bedarf Rollenspiele, lesen Bücher und erstellen „Stimmungsbilder“.

3) Der lernbereichsorientierte Ansatz


Hier geht es darum, Inhalte und Methoden verschiedenen Bildungsbereichen zuzuordnen; so z.B. die Sprachförderung, die wir durch Vorlesen, Bewegungsreimen und unseren „Sprechstein“ anregen. Den Naturwissenschaften kommen wir beispielsweise durch das tägliche Benutzen unserer „Riesenlupe“ auf die Spur. 
Außerdem wird bei uns viel musiziert. Die Musik möchte sprachliche, soziale und psychomotorische Kompetenzen bei den Kindern fördern.

Die Bildungsbereiche sind

  • Körper, Bewegung, Gesundheit
  • Soziale und kulturelle Umwelt
  • Kommunikation: Sprachen, Schriftkultur und Medien
  • Bildnerisches Gestalten
  • Musik
  • Mathematische Grunderfahrungen
  • Naturwissenschaftliche und technische Grunderfahrungen

Mehr zu den verschiedenen Bildungsbereichen erfahren Sie unter http://kita.hamburg.de
 
In unseren Waldkindergartenalltag lassen wir alle diese Themenbereiche täglich mit einfließen. Durch den Wechsel von direkten und indirekten Formen sowie von Freispiel und Angebot gestaltet sich der Kindergartenalltag besonders lebendig und spielerisch.

Vorschularbeit

Wir verstehen Vorschularbeit als einen Lernprozess, der mit dem Eintritt in den Kindergarten beginnt und in den Vorschulgruppen eine Vertiefung erhält. Basiskompetenzen, wie z.B. Leistungs- und Arbeitsverhalten werden gefordert und gefördert. Um so gezielt wie möglich auf die einzelnen Kinder eingehen zu können arbeiten wir in Kleingruppen.

Jede Gruppe hat wöchentlich eine Vorschulstunde und eine Musikstunde.Die Inhalte der Vorschularbeit haben konkret mit den Bildungsbereichen zu tun, die gerade im Kindergarten behandelt werden. So ist die Vorschularbeit immer eine Vertiefung bzw. Erweiterung dessen, was die ganze Gruppe beschäftigt. Beim Thema Wetter haben die Vorschul-Kinder sich beispielsweise mit den Klimazonen beschäftigt und in der Musikstunde ein Wetterlied komponiert.

Am Ende einer Bildungseinheit präsentieren die Vorschulkinder der ganzen Gruppe ihre Ergebnisse. Beim Thema „Klimazonen“ geschah dies anhand eines Interviews. Die Kinder, die 5 Jahre alt werden oder sind, werden immer zu Anfang einer Bildungseinheit aufgenommen. Also im Januar, März, Mai, September und November.

Wir spielen Theater

Theaterspielen ist uns wichtig. Es bietet den Kindern die Möglichkeit, sich spielerisch auszuprobieren und dabei Verhaltensmöglichkeiten, Rollen und Identitäten zu erfahren. Die Kinder überwinden ihre Ängste und gewinnen Vertrauen in sich selbst. Somit werden ihre Persönlichkeit und ihr Selbstbewusstsein gestärkt. Beim Theaterspielen findet eine Auseinandersetzung mit der Welt statt. Probleme werden spielerisch behandelt, Kreativität und Phantasie sind ebenso ein fester Bestandteil so wie das Handeln, Fühlen und Denken. Kinder erleben mit anderen eine Zeit in der sie gemeinsam etwas schaffen und das bereitet ihnen große Freude. Außerdem werden sie vom Publikum durch den Applaus belohnt, was ihnen Bestätigung gibt und sie mit Stolz erfüllt. Deshalb finden bei uns 2 mal im Jahr Aufführungen statt. 

Folgende Aufführungen fanden bisher statt

2008 - "Die Bremer Stadtmusikanten" und "Räuber Hotzenplotz"
2009 - "Pippi Langstrumpf" und "Michel aus Lönneberga"
2010 - "Freunde" und unser Zirkusprojekt "Pfiffikus"
2011 - "Vom kleinen Maulwurf..." und "Die Bremer Stadtmusikanten"
2012 - "Der Grüffelo" und "Frederick"
2013 - "Die Rübe" Ein Klangspiel und "Im Zahlenwald"
2014 - "Ein Tag bei den Indianern" und das Klangspiel "Die Sonne, der Wind und der Mann im roten Mantel"
2015 - "Spukschloss im Raakmoor" und "Eine Kiste für den Bären"
2016 - "Bremer Stadtmusikanten" und "Der kleine Biber und das Echo"
2017 - "Zirkus Carloni" und Roddi Hut
2018 - "Schlaufuchsakrobatik"

Musikalische Früherziehung

Es gibt Bereiche der Seele, die nur durch die Musik beleuchtet werden.
(Zoltán Kodály)

Musik ist für viele Kinder und Erwachsene eine Quelle für reiche Empfindungen und für großen Genuss. Beim bewussten Musikhören differenzieren die Kinder ihre Wahrnehmungsfähigkeiten. Musik fördert die kindliche Intelligenz und die innere Ausgeglichenheit. Das soziale Verhalten der Kinder verändert sich durch das Musizieren vorteilhaft, und die Kinder bauen ein positiveres Bild von sich selbst auf. Ebenso belegt sind Zusammenhänge zwischen bewussten Musikerfahrungen und sprachlichen und mathematischen Kompetenzen. Singen und Lautmalereien unterstützen den Spracherwerb nachhaltig. Die Kinder lernen, Atmung und Lautproduktion in Einklang zu bringen – eine der Voraussetzungen für flüssiges Sprechen. Nicht zuletzt fördern rhythmische Übungen die körperliche Wahrnehmung des Kindes.

Tiergestützte Pädagogik

Der zum Schulhund ausgebildete Labrador "Carlo" begleitet uns an einemTag in der Woche in den Wald. Mit kleinen Theorieeinheiten zum Thema Hund und Körpersprache führen wir die Kinder an den Hund heran. Der regelmäßige Kontakt und das Arbeiten in Kleingruppen geben den Kindern ein sicheres und besonnenes Auftreten mit dem Hund. Bei den Übungen können wir, je nach Bedarf, verschiedene Ziele setzen. Die Rücksichtnahme gegenüber dem Hund erfordert von den Kindern ein hohes Maß an Empathie und Verantwortungsbewusstsein. Durch das Gelingen kleiner gemeinsamer Aktionen wächst das Selbstwertgefühl. Die Arbeit mit dem Tier kann neue Freundschaften knüpfen, was gerade besonders schüchternen oder auch sehr extrovertierten Kindern hilft. Ein hoher Grad an Aufmerksamkeit und Konzentration muss entwickelt werden, um beim Beibringen von Kunststücken das richtige Timing zu haben. Wir freuen uns jedesmal über unseren Begleiter auf vier Pfoten.

Außerdem gehen wir von März-Oktober jeden Monat mit einer Gruppe von max. 5 Kindern zum nahegelegenen Pferdestall und versorgen die shettys. Dazu gehört natürlich auch das Stall Ausmisten und das Striegeln der Ponyis. Zur Belohnung für die harte Arbeit dürfen die Kinder danach aufs Pony und in der Reithalle Reiten. Der Besuch im Stall ist jedesmal ein besonderes Erlebnis für die Kinder!